Interview mit Tomas Verner in Oberstdorf, Oktober 2014

Q: Wie war es bei den Japan Open wieder mal einen Wettbewerb zu laufen? Du hast sogar den vierfachen Toeloop riskiert.

A. Ja, aber gelandet war er nicht besonders gut. Das tut mir natürlich leid. Aber so einen Wettbewerb zu laufen war eine supergeile Erfahrung. Ich habe so was noch nie erlebt. Es ist ein Wettkampf mit 10 Preisrichtern, Technical Panel und vielleicht 12 000 oder 14 000 Zuschauern, Fernsehen, alles mögliche.... aber die Atmosphäre ist freundlich. Wir laufen in 3 Teams: Nordamerika - Amerika und Kanada zusammen – gegen Europa, gegen Japan. Und Europa hatte eine super Zusammenstellung. Das waren Javier Fernandez, der Europameister und Radionova und Pogorilaya, das sind zwei Russinnen, zwei süße Mädchen, die sind 15 und 16, nicht älter. Mit denen zu laufen war auch krass, denn sie sind noch im Wettkampfmodus. Für meine Verhältnisse war ich gut, ich war zufrieden mit meiner Leistung. Danach kam Javier und hat auch ein paar Fehler gemacht, aber er war gut. Und dann kamen die Damen... Da haben wir nur zugeschaut und Hut ab, denn sie haben wirklich die Punkte nach Hause geholt. Für mich war es ein Traum. Ich habe aufgehört mit Eislaufen, also mit dem Wettkampf und dann durfte ich so einen Super-Wettkampf laufen in der Arena, in der ich aufgehört habe. In Saitama, wo ich Tschüss gesagt hatte zu meinen Fans, zum Eislaufen... und dann durfte ich nochmal zurückkommen und in dieser positiven und wirklich freundlichen Atmosphäre noch einen Wettkampf laufen. Es war super, es ist ein unglaubliches Publikum.

Q: Du arbeitest jetzt wieder hier in Oberstdorf als Trainer. Es gefällt Dir?

A: Die Arbeit hier beim IceDOME als Trainer gefällt mir sogar sehr. Ich arbeite sehr gerne mit dieser Gruppe hier und besonders mit Herrn Huth. Wir haben in der Vergangenheit viel zusammengearbeitet auf dem Eis, aber ich war immer der Sportler. Jetzt bin ich der Nebentrainer, der Assistent, der auch neben dem Training mal reden kann über das, was wir als nächstes machen mit den verschiedenen Gruppen. Dadurch entwickele ich mich als Trainer weiter. Es ist eine der besten Ausbildungen für mich als Trainer für den Fall, dass ich als Trainer arbeiten möchte. Es ist wirklich Gold wert mit Herrn Huth als Trainer zusammenzuarbeiten. Ich wurde gefragt für das IceDOME Camp im nächsten Sommer, aber diese Entscheidung hängt von Evgeni Plushenko ab. Ich habe begonnen mit ihm eine neue Show zu machen „Snow King“ und das soll ganz groß werden. Das hoffen wir und wir werden alles dafür tun. Wir starten in Moskau im Dezember und im Januar sind wir in St. Petersburg und dann gehen wir hoffentlich in die ganze Welt.

Q: Was waren das für Shows für Kinder in Tschechien? Wer hat das organisiert? Welche Rolle hast Du gespielt, was sollte erreicht werden und wie ist das Ergebnis Deiner Meinung nach?

A: Das Ergebnis ist sehr gut mit positiven Reaktionen. Es sind 9 Städte insgesamt, 7 Städte in Tschechien und 2 in der Slowakei. Wir geben fast jeden Samstag zwei Vorstellungen. In Brünn haben wir sogar drei, weil zwei ausverkauft sind. Das ist schon positiv! Es ist eine Comic-Geschichte, eine Parodie....eine alte Geschichte aus Russland mit einem Wolf und einem Hasen. Ich denke, die älteren Leute kennen das eher auch in Ostdeutschland. Tschechien war auch lange unter russischem Einfluss und dadurch kenne ich diese Geschichten, dieses Märchen oder Comic. Es sind wirklich Comics, es sind nur Episoden. Der Regisseur in Tschechien hat mit diesen Comics eine gesamte Show zusammengestellt. Ich bin nicht der Wolf und nicht der Hase, sondern ich erzähle mit meinem Laufen was als nächstes passiert. Ich bin so eine Art Vorsager. Ich komme aufs Eis als ein Pirat und erzähle aber nichts mündlich, sondern ich laufe. Was ich zeige, stellen dann zig Leute im nachfolgenden Auftritt da. Ich bin neunmal auf dem Eis, in verschiedenen Kostümen. Das ist natürlich heftig. Ich bin so 2 Minuten auf dem Eis und auf der kleinen Bahn zu laufen ist schon anstrengend. Weil diese Vorstellung auch für Kinder ist, muss man viel spielen, auch von den Emotionen her. Dies jetzt dreimal am Tag zu schaffen wird eine Herausforderung in Brünn in ein paar Wochen. Aber es gefällt mir und es ist eine tolle Sache, weil sie den Sport zuhause mehr populär macht. Die Idee kam von irgendjemanden und der hat den Regisseur gefragt, ob es überhaupt möglich ist so etwas auf dem Eis zu machen und es als eine Geschichte zu erzählen, weil es nur Episoden sind. Dann haben sie sich zusammengesetzt, waren sich einig und jetzt haben wir ein Märchen auf dem Eis.

Q: Wie viele Shows kommen noch?

A: Es sind noch 3 für mich, aber insgesamt sind es 4. Die letzte Show in Bratislava kann ich nicht mehr mitlaufen weil ich dann schon mit Evgeni Plushenko in Moskau bin. Das ist ein alter Vertrag, der sich nur verschoben hat. Wir sollten zusammen schon gleich nach Olympia laufen, aber es wurde neu organisiert, weil Plushenko verletzt war.

Q: Wir haben Model-Photos von Dir gesehen. Erzähle uns mehr davon.

A. Ich modele jetzt für eine Firma für Herrenanzüge: BANDI. Der Besitzer dieser Firma und ich haben einen gemeinsamen Freund. Wir wurden einander vorgestellt und dann haben wir geredet und er sagte: „Möchtest du nicht mit mir arbeiten?“ und ich habe gesagt „Na klar, Herrenanzüge ist eine gute Sache weil ich damit meinen Namen sehr gerne verbinde!“ Dann haben wir das so gemacht. Natürlich ist es nicht so leicht, ein Model zu werden. Ich meine, vor der Kamera zu stehen und intelligent aussehen oder eine positive Einstellung und gute Emotionen rüberbringen ist auf dem Eis leicht für mich. Weil ich mich da bewegen kann, da kann ich mit meinen Bewegungen alles ausdrücken. Aber auf einem Foto....! Ich denke ich war so für eine Stunde nicht zu gebrauchen und dann hat es langsam angefangen. Mir war es natürlich peinlich, denn da waren auch (professionelle) Models dabei, Mädels die hübsch waren und begabt. Sie wussten was zu tun ist. Und ich war derjenige, der die Fotos vermasselt hat. Aber das war eben nur eine Stunde und die nächsten 4 Tage waren okay. Ich denke das Resultat ist großartig.

Q: Du warst Fallschirmspringen. Wie war dieses Erlebnis? Warum wolltest Du das ausprobieren?

A: Fallschirmspringen ist für Sportler normalerweise verboten weil es ein Extremsport ist. Und ich hatte nun keine Ausrede mehr es nicht zu tun. Meine Freunde haben mich schon seit längerem gefragt, ob wir mal zusammen springen und ich habe gesagt „okay, machen wir nach der Saison“. Ich habe es immer verschoben und ich wollte nicht, weil ich tierisch Höhenangst habe. Ich habe so was von Höhenangst, es ist unglaublich. Dann hat mich Kim Lucine aus Monaco angerufen und gesagt „Hey Tommy, wir haben einen Instruktor der auch englisch spricht hier in Chambéry. Kommst du in diesem Sommer? Machen wir eine Lizenz, damit wir auch alleine aus dem Flugzeug springen dürfen?“ Und da habe ich zugestimmt. 3 Monate später war ich im Flugzeug in Chambéry und es war nicht so lustig. Aber es ist eine meiner besten Erfahrungen in meinem ganzen Leben. Und ich denke, dass ich es viel früher hätte machen sollen. Weil es mental einzigartig ist. Mehr Stress und mehr Freude im selben Moment kann man nicht erleben. Und danach ist es nur Freude, man ist aufmerksam, man ist munter, man denkt, man ist sich allem bewusst, natürlich auch der Gefahr. Aber es ist deine Wahl, du willst aus dem Flugzeug springen. Es ist einfach geil! Das Beste! Darüber könnte ich noch 2 Stunden reden.

Q: Was hat sich sonst noch seit unserem Interview im Sommer getan?

A: Leider nicht viel, ich bin immer noch MBE-Student und habe meine Examensarbeit noch nicht abgeschlossen. Das stört mich. Das muss ich noch schaffen bis Januar. Ich hoffe wenn wir uns vielleicht im Februar wieder sehen, dass meine Arbeit dann erledigt ist. Sonst hat sich nicht viel geändert. Ich mache Shows, ich arbeite mit unserem Olympia-Verband. Ich arbeite auch mit vielen Kindern zuhause, nicht nur mit Eisläufern, um die Kinder zum Sport zu motivieren. Und ich habe eine Fallschirm-Lizenz jetzt. Es ist eigentlich alles wie es war, ich mache nur mehr Shows und ich trainiere mehr.

Q: Der Übergang eines Leistungssportlers in ein "normales" Berufsleben ist nicht immer einfach. Gibt es noch etwas, das Du aus Deinem früheren Leben vermißt und wenn ja, was?

A: Von Vermissen kann ich nicht reden. Es ist ja immer noch kurz nach meiner Karriere und vermissen tue ich nichts. Die Leute, die ich mag, die kann ich immer noch treffen, z.B. meine Freunde wie Carolina, Kim, Anton, Robin.... ich habe Freunde überall, Freunde aus Amerika kann ich auch treffen. Noch vermisse ich nichts. Aber der Übergang war für mich auch leichter, weil ich nach der WM sofort beschäftigt war. Erstmal mit der Schule, dann mit Shows, dann mit Projekten, Modeln, Fallschirmspringen. Ich denke, dass ich es gut verkraftet habe. Manchmal ist es schwierig wenn man nur Sport hat. Wenn man dann aufhört ist da eine Lücke, ein Nichts. Bei mir war das nicht so und ich habe immer noch viel zu tun.

Q: Was steht außer Shows noch an in den kommenden Wochen und Monaten?

A. Schule! Viel Schule! Und ich möchte auch ein paar Tage zuhause bleiben und meine Schwester sehen. Sie ist 16 geworden und ich möchte sie auch gerne ab und zu sehen.

Q: Dann bedanke ich mich für das interessante Interview und wünsche Dir alles Gute.     

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Interview Tomas Verner in Oberstdorf, October 2014

Q: How did it feel to once again skate in a competition, here at Japan Open? You even risked jumping a quad toe.

A.: Yes, I did, but the landing wasn't that good. Which I am sorry for. But to skate a competition like that has been a really amazing experience. I never experienced anything like it before. It's a competition with 10 judges, a technical panel and...I don't know, 12000 or 14000 people there, even TV and such...but the atmosphere is quite nice. We skate in teams: Northamerica – the US and Canada – versus Europe, versus Japan. And Team Europe was quite a team. We had Javier Fernandez, European Champion, and Radionova and Pogorilaya, two Russians, sweet girls, 15 or 16 years old. To skate with them was really something, since they are still set on competitions and so they really killed it [the competition]. I was doing alright and was quite happy with my skating. Then there was Javier, who made some mistakes, too, but was still good. And then came the ladies...wow! We just watched. Hats off, they really drove home some major points. For me, it was a dream. I quit skating, well, competitions, and then still got to go to such a great event held in the same arena that I quit skating in the first place. In Saitama, where I said goodbye to my fans, to skating....and then I was allowed to go back and skate in this really positive and friendly atmosphere. It was great, great crowd, too.

Q: And now you're back in Oberstdorf, being a coach. Do you like it so far?

A: Working here at IceDOME as a coach is something I really like. I enjoy working with this group, especially Mr. Huth. We did work together in the past, but I had been the athlete then. Now I am a coaching assistant, who can talk about stuff, about what we do next with the groups we are coaching right now. That's what helps me developing my skills as a coach. It's the best possible education for me, you know, in case I want to continue being a coach. It's worth more than gold to work with Mr. Huth. I was asked to return to IceDOME next summer, but that decision is depending on Evgeni Plushenko. I startet to create a new show with him, „Snow King“, and it's supposed to be big. That's what we're hoping and we'll do everything for it. We start the show in Moskow, this December, and in January we'll be in St. Petersburg and afterwards, hopefully, tour the world.

Q: What were those shows for kids in the Czech Republic? Who organised them? What was your role in all of this, what were you aiming for and did it turn out the way you planned?

A: The result was really good, lots of positive reaktics. We tour nine cities, 2 in Slovakia and 7 in Czechia. There are two performances almost every saturday. In Brünn, it's even three, because two are already sold-out. That is really positive! It's a funny story, a parody...an old Russian story about a wolf and a rabbit. I think that older people will probably know the story, but not from Russia, but from East-Germany. Czechia had been under Russian influence for quite a while, which is why I know the story, the fairytale and the graphic-novel version. It's not really a graphic novel, it's just episodes. The director in Czechia composed those graphic-novel episodes and made a show of them. I'm neither wolf nor rabbit, I just tell what happens next with my skating. I am some kind of a story-teller. I step onto the ice, dressed as a pirate, and tell stories. Not with my mouth, but with my skating. And then tons of skaters show what I just told the audience and tell the story with their performance. I have nine appearences, all in different costumes. That is challenging, obviously. I skate for two minutes on the small stage and that is demanding. Since the show is for kids one has to act a lot, show a lot of emotions, which is physically demanding. To do that three times a day in Brünn will be a challenge. But I enjoy it and it's a great thing that helps promoting the sport in my country. Someone came to the director, asked him if it was even possible to create a show, since it was just sime episodes, and now we have a fairytale show on ice.

Q: How many shows do you have left?

A: Three, for me. But all in all it's four more shows. I can't skate the last show in Bratislave, because I will already be in Moscow with Evgeni Plushenko. That's an old contract, which just had been postponed back then. We originally planned to skate together just after the Olympics, but that had to have been rearranged due to Plushenko being injured.

Q: We saw some modeling photos of you. Tell us more about it.

A:  I model for a company that makes suits: BANDI. The owner of that company and I share a friend. We were introduced to each other and then we talked and he said: „Do you want to work with me?“ and I said: „Sure, suits are a good thing and I would like to associate my name with them!“. And then we just did it. Of course it's not easy to be a model. I mean, standing in front of a camera, pretend to be clever, project positive energy and emotions is easy for me, on the ice. Because on the ice I can move and express everything through movement. But on a picture...! I thing I didn't do anything right for about an hour, but then got better slowly. Of course I was embarressed, because there were other models, pretty and talented girls who knew what to do. And I was the one who ruined the pictures. But it was just the first hour and the next four days I did okay. I think the result looks great.

Q: You went skyjumping. How was it? Why did you want to try it?

A: Skyjumping is usually banned for athletes, since it's adrenaline sport. And now I just had no excuse to not do it. My friends asked me, if we wanted to try it together for a while now. And I always had to say „okay, we'll do it once the season is over.“. I kept postponing it and didn't want to do it, since I'm afraid of heights. I'm so afraid, it's not even funny. And then Kim Lucine called from Monaco and said: „Hey Tommy, we have this instructor, who speaks English, here in Chambery. Can you come this summer? Let's get our license together, so that we can jump from an airplane.“ And I agreed. Three months later, I was on a plane in Chambery and it wasn't funny. But it was one of the best experiences in my life. And I think I should have done it sooner. Because it's a one of a kind experience mentally. You can't experience more stress and joy in the same moment. And after jumping, there is just joy. You're focused, happy, you think you're concious of everything, including the danger. But it's a choice, you want to jump out of that plane. It's just fantastic! The best! I could go on talking about it for hours.

Q: What else has changed since we last spoke this summer?

A: Nothing much, unfortunately. I'm still MBE-Student and didn't finish my exams yet. That's annoying me. I have to get that done until January. I hope that, when we will meet again, maybe in February, I will have completed my thesis. Other than that, nothing really changed. I skate in shows, I work with our olympic committee. I also work with children, not just with skaters... trying to motivate them to do sports. And I have a skyjumping licence. So, everything is like it was before, I just skate in more shows and train more than I did before.

Q: The transition from high profile athlete to a somewhat „normal“ working life isn't easy. Is there something from your old life that you miss and if so, what is it?

A: I can't say I miss anything. It's still just shortly after my carreer and I don't miss anything. I can still see the people that I like, for example my friends Carolina, Kim, Anton, Robin... I have friends everywhere. I can even visit friends in America. I don't miss anything, yet. But the transition has been easier for me, since I had been busy after Worlds. There was school, shows, projects, modeling, skyjumping. I think I coped well. For some it must be hard, when you have nothing but the sport. So when you stop, there is something missing, a big piece of nothingness. It hadn't been like that for me, I still have a lot of stuff to do.
Q: So what's on your plate for the upcoming weeks and months?

A. School! A lot of school! And I want to stay home for a few days, spend some time with my sister, who just turned 16.

Q: Thank you for the interview and all the best!                                                                               


(Translation: Nicole Sättler)