Interview mit Annabelle Prölß und Ruben Blommaert
Februar 2012

Q: Ihr seid binnen weniger Monate auf Anhieb Deutsche Junioren-Meister im Paarlauf geworden. Geht das nicht alles ein bisschen schnell?

A Ruben: Ja, es geht schnell. Aber wir hatten eine gute Vorbereitung, wir haben 8 Wochen viel trainiert...jede Stunde...jeden Tag. Wir waren bereit für diesen Wettkampf.

Q: Erzählt ihr ein bisschen was über euch? Wie seid ihr überhaupt zum Eiskunstlaufen gekommen?

Annabelle: Ich bin durch meine Schwester zum Eislaufen gekommen, weil sie das gemacht hat. Ich fand das toll und letztes Jahr bin ich nach Oberstdorf gezogen um hier besser zu trainieren.

Ruben: Ich wollte Shorttrack machen. Aber ich konnte nicht auf den schmalen Kufen stehen, da haben sie mich zum Eiskunstlaufen geschickt und ich bin dort geblieben. Die Trainerin hat gesagt, dass es gut geht und ich muss bleiben (lacht)

Q: Dir hat es also gut gefallen?

Ruben: Ja, und ich bin nach Oberstdorf gezogen wegen Annabelle

Q: Kevin van der Perren hat sicher in Belgien Eiskunstlaufen populär gemacht, trotzdem ist es dort eine Randsportart wie mancherorts. Warum bist du z.B. nicht Fußballer geworden?

Ruben: Ich habe eigentlich alle Sportarten ausprobiert weil meine Eltern das wollten, dass mein Bruder und ich alles ausprobieren und dann das nehmen was uns am besten gefällt. Und Eiskunstlaufen war mein Ding!

Q: Dein Bruder ist Balletttänzer in London. Ist sonst noch jemand in deiner Familie künstlerisch und sportlich tätig, oder war es früher?

Ruben: Meine beiden Schwestern machen Sport: Schwimmen und Reiten. Mein Vater war ein Boxer, meine Mutter hat nichts Derartiges gemacht

Q: Annabelle du standest bereits mehrfach im Einzel in Nachwuchswettbewerben auf dem Treppchen. Warum versuchst du jetzt Paarlauf?

Annabelle: Ich wollte schon immer Paarlaufen machen. Ich finde es toll und mit Ruben macht es sehr viel Spaß.

Q: Wie lange möchtest du gleichzeitig Einzel- und Paarlauf machen?

Annabelle: So lange wie es geht

Q: Ruben, du warst 2. der Belgischen Meisterschaften 2009 und 2010, hast an Junioren-Grand Prix teilgenommen und auch bereits zweimal an einer Europameisterschaft. Warum bist du nun zum Paarlaufen gewechselt?

Ruben: Nach meinem Abitur hatte ich eine schwierige Periode mit meinem Trainer und da habe ich mich für das Studium entschieden. Ich war an der Universität für Physio. Ich bin 8 Monate lang nicht Eis gelaufen und dann habe ich in der belgischen Synchro-Mannschaft bei den Weltmeisterschaften mitgemacht im April in Helsinki. Ich begann mit dem Paarlaufen weil ich eine Einladung bekam vom Holländischen Verband zum Probetraining. Aber dieses Mädchen war nicht bereit für Paarlauf, sie müsste sich noch mehr stabilisieren.

Nach diesem Test mit dem Mädchen aus Holland wusste ich, dass ich Paarlaufen machen wollte und suchte in Belgien nach einem Mädchen. Es gab aber nur eine mögliche Option und wir haben es versucht, aber sie hatte zu viel Angst. Also hat das nicht geklappt.

Q: Wie bist du dann mit Annabelle zusammen gekommen?

Ruben: Ich war hier und hatte keine Partnerin, da haben die Trainer miteinander geredet und gemeint, ich sollte es mit Annabelle versuchen. Zuerst dachte ich, dass der Altersunterschied zu groß wäre, aber es geht perfekt. Wenn ich keinen Junioren-Wettbewerb mehr laufen darf, dann darf sie das erste Mal bei den Senioren laufen. Das passt gut. Und ich bin jetzt sehr glücklich!

Q: Was erwartet ihr bzw. wünscht ihr euch für die kommende Saison? Im Herbst ist ja der Junioren-Grand Prix in Dresden und da hat Deutschland drei Startplätze. Gibt es schon Planungen?

Ruben: Mein Ziel ist jetzt gut trainieren und eine gute Vorbereitung auf diesen Grand Prix. Ich möchte gerne dort teilnehmen und ein gutes Ergebnis erzielen. Für mich ist es schön das noch einmal alles zu machen. Ich bin ja jetzt zu alt für die Junioren im Einzel und bin schon 7x im Junioren GP im Einzel gelaufen. Jetzt kommt diese Zeit noch einmal wieder, ich kann es noch einmal machen.


Q: Annabelle, für dich ist es sicher gut einen so erfahrenen Partner an deiner Seite zu haben?


Annabelle: Ja, das ist schön.


Q: Woran werdet ihr besonders arbeiten?


Ruben: Wir müssen alles so gut wie möglich machen: Sprünge, Würfe, Twist, Pirouetten... alles. Ich möchte nicht nur eine Sache gut machen sondern alles


Annabelle: Ja, alles!


Ruben: Und auch an den Components arbeiten und an einer guten Choreographie. Bei diesem neuen Wertungssystem muss man an allem arbeiten. Es gibt ja auch andere gute Paare. Wenn man ein gutes Ergebnis haben möchte, muss man an allem arbeiten.


Q: Wie gefällt es euch denn hier in Oberstdorf? Habt ihr euch schon eingelebt?


Annabelle: Ja, sehr gut. Ich finde es sehr, sehr schön. Wir haben ja auch sehr gute Eismöglichkeiten.


Ruben: Ja, das Training ist ideal. Es ist eine gute Eishalle, gutes Eis und gute Trainer. Aber sonst gibt es hier nicht so viel. Aber ich bin hier wegen Eislauf und deswegen freue ich mich hier zu sein.


Annabelle: Das andere ist nicht so wichtig.


Q: Ruben, du hast jetzt deinen festen Wohnsitz hier?


Ruben: Ja, seit November habe ich hier eine Wohnung, 100 m von Annabelles Wohnung entfernt.


Q: Welches ist eigentlich das schwierigste Paarlaufelement, an das ihr euch bis jetzt herangewagt habt?


Ruben: Dreifach Twist. Das haben wir ja schon im Training gemacht. Aber die letzte Woche ein bisschen weniger, denn wir mussten uns ja auf den Wettkampf vorbereiten.


Annabelle: Ja, und diese Woche ist auch nur Programm durchlaufen geplant, weil wir in ein paar Tagen auch an den Sächsische Meisterschaften teilnehmen werden.


Ruben: Danach  können wir wieder neue Elemente trainieren.


Q: Habt ihr Vorbilder im Paarlaufen?


Ruben: Meine Entscheidung für Deutschland zu laufen war einfach weil Deutschland die Weltmeister hat. Natürlich Aljona und Robin! Und ich bin ein großer Fan des russischen Paares Volozohar/Trankov.


Q: Was macht ihr neben dem Eislaufen?


Anabelle: Ich gehe zur Schule.


Ruben: Ich mache keine Schule mehr. Ich war in Belgien an der Universität. Für Physio muss man viele Praktika machen und ich kann nicht hier sein. Ich musste das beenden und suche mir jetzt ein Studium in Deutschland. Ich muss jetzt nach Möglichkeiten suchen, denn ich kann nicht 8 Stunden in die Schule gehen.  Ich wollte hier in Kempten Physio weitermachen, weil ich dieses Studium schon begonnen hatte. Aber da muss man 8 Stunden am Tag in die Privatschule gehen und das geht nicht. Aber ich möchte gerne studieren, denn ich muss etwas neben dem Eislaufen machen.


Q: Welche Hobbies habt ihr?


Ruben: Ich betreibe gern alle Sportarten, aber ich habe nicht so viel Zeit für anderen Sport. Ich bin sehr viel in der Eishalle und wenn ich frei habe muss ich das Appartement sauber machen, kochen und waschen. Ich muss ja alles selbst machen und das braucht auch Zeit.


Q: Welche Hausarbeit machst du denn am liebsten?


A: Hm, ich glaube Waschen, Kleidung sortieren.


Q: Wart ihr denn auch schon auf dem Nebelhorn?


Ruben: Ja, gestern mit Konrad Hocker-Scholler und Matti Landgraf. Und in dieser Woche hat mich ein Freund besucht weil er eine Woche frei hatte von der Schule. Ich war mit ihm in der Physio-Universität. Er war hier um den Wettkampf anzuschauen und Ski zu fahren. Es war schön.


Q: Dann wünsche ich euch alles Gute und bedanke mich für das Interview.
                                                                                     
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              


                             









 

Interview with Annabelle Prölß and Ruben Blommaert
February 2012


Q: In just a few months of being together you have become German national junior pairs champions. That's quite a ride.

A Ruben: Yes, that all happened really fast. But we've had quite the preparation, we have been training constantly for eight weeks...every hour...every day. We have been ready for this competition.


Q: Will you tell us something about yourself? Like how you started to skate in the first place?


Annabelle: I first started skating because of my sister, because she skated. I loved it and last year I moved to Oberstdorf for training.


Ruben: First, I wanted to do shorttrack, but I could not stand on those slender blades, thus she brought me to figure skating and I stayed there. The coach had said that it was going well and I had to stay. (laughing)


Q: So you liked it?


Ruben: Yes. And I have moved to Oberstdorf for Annabelle.


Q: Kevin van der Perren surely made skating popular in Belgium, but it's still a marginalized sport as in lots of other places around the world. Why didn't you...let's say...play soccer instead?


Ruben: Basically I tried all kinds of sport, because my parents wanted us, me and my brother, to so that we try everything and then decide what we like best. Figure skating was my thing!


Q: Your brother is a ballett dancer in London. Are there any other family members being sportive or creative...or have been before?


Ruben: Both of my sisters are athletes: they do swimming and horse riding. My father used to be a boxer. My mother did no such thing.


Q: Annabelle, you have repetetively been on podiums in novice level competitions as a single skater. Why did you now start doing pairs?


Annabelle: I always wanted to do pairs. I enjoy it and it's alot of fun with Ruben.


Q: For how long do you plan to do both, single and pairs skating?


Annabelle: As long as possible.


Q: Ruben, you have been second at Belgian Nationals in 2009 and 2010. You have been competing in Junior Grand Prix events and skated in two European Championships. Why did you switch to pairs?


Ruben: After my graduation from school I had a difficult time with my coach and decided to go to college. I have been to university for physiotherapy. I didn't skate for eight months and then I skated with the Belgian synchronised skating team at Worlds in Helsinki in April. I started pairs because of an invitation from the Dutch federation for try outs. But this girl was not ready for pairs, she needed more stability and so... After this try-out with the Dutch girl, I knew I wanted to do pairs and looked for a Belgian girl.

There was only one option and we tried, but she was afraid [of falling]. So this did not work out.

Q: How did you find Annabelle?


Ruben: I have been here (in Oberstdorf) without a partner, so than the coaches talked with eachother and said to try with Annabelle. At first I thought that the difference in age was too much, bit it was working out perfectly. Once I'm too old for junior competitons she can skate seniors for the first time. So that fits well. And I am very happy right now!


Q: For the upcoming season, what do you expect and wish for? There is the Junior Grand Prix event in Dresden in the fall and Germany has three spots for pairs. Are there any plans?


Ruben: I'm aiming to do well in training and have a good preperation for this Grand Prix. I would love to skate there and place well. For me, it's nice to do all of that again. I am now too old for juniors single skating and skated in 7 junior Grand Prix events in singles already. Now this time is repeating and I can do it again.


Q: Annabelle, for you it must be great to have an experienced partner by your side?


Annabelle: Yes it is.


Q: What will you work on most?


Ruben: We have to do everything as good as possible: jumps, throws, twists, spins...everything. I don't want to good injust one thing but in everything.

Annabelle: Yes, everything!


Ruben: We also have to work on the components and on a good choreography. With this new judging system one has to work on everything. Plus there are other good pairs teams. If you want to have good results, you simply have to work on everything there is.


Q: How do you like Oberstdorf? Did you already settle in?


Annabelle: Yes, quite well. I really, really like it. Plus, we also have enough ice.


Ruben: Yes, we have ideal training possibilities. It's a great arena, great ice and great coaches. But aside from that, there is not much to do here. But I'm here for the skating and thus I'm happy to be here.


Annabelle: The rest isn't as important.


Q: Ruben, so you now have a permanent dwelling here?


Ruben: Yes, since last november I have an appartment here, only 100 meters away from Annabelle's.


Q: What is the most difficult element in pairs skating that you tried so far?


Ruben: Triple-twist. We did that in practice. But did it a little less last week, after all we had to prepare for the competition.


Annabelle: This week we only plan to skate our programs in practice, because we want to skate in the Saxonian Championships in a few days.


Ruben: After that, we can practice new elements.


Q: Do you have rolemodels in pairsskating?


Ruben: I decided to skate for Germany because Germany has the World Champions, Aljona and Robin! And I am a great fan of the Russins Volozushar/ Trankov.


Q: What are you doing aside from skating?


Anabelle: I go to school.


Ruben: I don't go to school anymore, I have been enrolled for college in Belgium. For studies of physiotherapy one has to do a lot of internships. I had to quit that and now look for something else to study here in Germany. I need to look really hard because I cannot go to school for eight hours a day. I wanted to continue physiotherapy in Kempten, because I already started that in Belgium, but    I would have to go to a private school eight hours a day and that's simply not possible. I want to study, because I simply have to do something   aside from skating.


Q: Do you have any hobbies?


Ruben: I like to do all kinds of sports, but I don't have so much time for them. I spend a lot of time at the rink and when I have some time for myself I have to clean my appartment, do the cooking and the washing. I have to do everything myself and that is timeconsuming.


Q: What kind of housework do you like most?


A: Hum... I think...washing clothes and sort clothes.


Q: Have you been atop of the Nebelhorn already?


Ruben: Yes, just yesterday, together with Konrad Hocker-Scholler and Matti Landgraf. And this week, a friend of mine came to visit because he had a week off from school. I have been to the physiotherapy school with him and went skiing. That was fun.


Q: I wish you all the best for your future. Thanks for the interview.


  (translation by Nicole Graff)