Peter Liebers: „Da ist noch mehr drin“

Peter Liebers (26) musste wegen einer Schulterverletzung lange pausieren und trat bei der Deutschen Meisterschaft in Stuttgart zum Kurzprogramm an.


Q: Du hast verletzungsbedingt pausieren müssen. Was war genau los? Wie lange war der Ausfall und seit wann trainierst du wieder?

A: Wir haben wegen der neuen Levels neue Eingänge für die Pirouette geübt. Dabei bin ich weggerutscht und auf die Schulter gestürzt. Ich habe mir die Schulter ausgekugelt und beim Auskugeln hat der Oberarmknochen ein Stück aus der Gelenkpfanne von der Schulter im Schultergelenk herausgebrochen. Das Stück war etwa einen halben Quadratzentimeter groß und musste dann wieder operativ per Arthroskopie angeschraubt werden. Ich habe jetzt eine Biomed-Schraube in der Schulter, die sich wieder auflöst. Dafür war ich drei Tage stationär im Krankenhaus und musste dann sieben bis acht Wochen vom Eis pausieren. Ich war die ganze Zeit in der Reha. Das hat sehr lange gedauert weil meine Schulter sehr lange auf einen bestimmten Bewegungsgrad fixiert war. Ich durfte lange keine Außenrotationen machen und durfte lange meinen Arm nicht über Schulterhöhe bewegen. Da ist viel Beweglichkeit und Kraft verlorengegangen. Daher hat sich der Ausfall bis ich dann wieder normal trainieren konnte, so wie ich es gewohnt bin, bis drei bis vier Wochen vor der Deutschen Meisterschaft hingezogen. Insofern war der Trainingseffekt nicht so ausgeprägt.

Q: Wie geht es dir jetzt?

A: Ich habe im endgradigen Bereich vor allem über Kopf und in der Außenrotation in der Schulter immer noch Defizite, bin also noch nicht 100 % beweglich. Ich habe auch in der Choreographie zwei bis drei Bewegungen, die ich bewusst weglasse, weil ich weiß, dass der Arm in einer ungünstigen Position ist, in der ich eventuell noch Schmerzen habe.  Und es fehlt einfach die Schnelligkeit und die Kraft im Arm, was bei einigen Sprüngen dann das Gleichgewicht, was ja teilweise doch sehr fein ist, ein bisschen aus dem Ruder bringt. Und deswegen ist der Trainingsrückstand dann doch noch groß.

Q: Mit welchem Gefühl bist du in die DM gegangen?

A: Naja, ich bin mit dem Gefühl in den Wettbewerb gegangen, dass ich einen Trainingswettbewerb laufen möchte, mehr oder weniger. Auch wenn es vielleicht schwer fällt zu sagen, die Deutsche Meisterschaft nur als Trainingswettbewerb zu sehen, zumal man ja Titelverteidiger ist. Aber es war von Anfang an klar, dass hier keine optimale Leistung für mich möglich ist. Und ist bin sehr froh, dass mich die Deutsche Eislaufunion für die Europameisterschaften schon nominiert hatte und wollte als Trainingseffekt sozusagen diesen Wettkampf einbauen, damit ich ein bisschen Routine bekomme. Es ist schon immer etwas ganz anderes im Wettkampf zu laufen als im Training. Und das habe ich dann jetzt auch gesehen. Die Programme zu laufen ist im Wettkampf schon nochmal eine ganz andere Belastung. Deshalb haben wir uns dann dazu entschieden, die Kür wegzulassen und es bei dem Kurzprogramm zu belassen, mit dem ich für meinen derzeitigen Trainingsstand wirklich zufrieden war.

Q: Was hast du gemacht während der Verletzungspause? Studiert?

A: Ich habe studiert. Ich habe versucht mehr Vorlesungen wahrzunehmen als das in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele der Fall war. Ich habe aber natürlich auch sehr viel Reha gemacht. Ich war zwei bis drei Stunden am Tag in der Physiotherapie und habe Reha-Training gemacht, sowohl an der Schulter als auch Training für die Beine, die ja noch funktioniert haben. Ich habe versucht, den Ausfall so gering wie möglich zu halten. Die Schulter braucht doch als komplexes Gelenk ein bisschen länger als ein Knie oder ein Fuß. Das habe ich gemerkt und insofern dauerte das Ganze ein bisschen länger.

Q: Kannst du uns etwas zu deinen Programmen sagen?

A: Wir wollen eigentlich im September in Toronto wieder mit Lori (Nichol) und mit Shin (Amano) zumindest ein neues Programm einstudieren. Aufgrund der Verletzung war es dann natürlich nicht möglich dahin zu fahren. Da hatten wir andere Sorgen, so dass wir uns nicht um neue Programme kümmern konnten. Wir behalten für diese Saison die alten von der letzten Saison. Das funktioniert auch gut, weil die Programme ja nur ein Jahr gelaufen sind. Sie sind nicht zu sehr abgelaufen. Aber wir planen jetzt dann im nächsten Jahr beide Programme neu zu machen, so dass wir dann mit frischen Programmen weitermachen können.

Q: Wie hast du dich neu motiviert nach der Olympischen Saison?

A: Eigentlich mit den Olympischen Spielen an sich selbst. Das Ereignis Olympische Spiele war für mich so überwältigend, nicht nur der Wettbewerb, der für mich sehr gut funktioniert hatte, sondern auch alles andere drum herum war ein derartig tolles Erlebnis, dass ich gesagt habe "Ich möchte es noch einmal erleben bei Olympischen Spielen dabei zu sein!" Deshalb war dann für mich die Motivation sehr schnell wieder da, in Richtung Korea zu arbeiten. Ich kann mich erinnern, das gleiche hatte mir Stefan Lindemann 2006 nach Turin erzählt. Er hat gesagt dass es so toll war und er möchte es noch einmal erleben. Und er hat es dann noch einmal nach Vancouver geschafft. Das ist meine Motivation, einfach das noch einmal mitzumachen und ich denke auch, dass noch ein bisschen mehr drin ist. Ich habe mich hochgearbeitet in den letzten Jahren und ich denke nicht, dass ich da am Ende bin, sondern dass da noch einiges geht. Insofern glaube ich, dass die vier Jahre für mich auch noch Sinn machen, solange mein Körper mitmacht.

Q: Welche Ziele hast du für diese Saison?

A: Bei der EM mit Franz (Streubel) auf jeden Fall wieder zwei Startplätze holen, so dass wir auch in der nächsten Saison 2016 wieder zwei Herren schicken können. Ja, und dann in gewissem Maße jetzt dann wieder eine gute Leistung bringen nach der Verletzung. Dass ich wieder reinkomme und dass ich nicht zu sehr den Anschluss an die Spitze verliere. Denn ich habe ich mir ja schon etwas erarbeitet: den Platz in der europäischen Spitze. Und den möchte ich natürlich beibehalten. Ich möchte mich da nicht zu sehr von den jungen Läufern, die natürlich nachkommen, verdrängen lassen.

Q: Dann wünsche ich dir viel Glück und alles Gute und bedanke mich.

                                                                                        

 

Peter Liebers: „I can do more“

Peter Liebers (26) had to take a longer break from skating following a shoulder injury. He competed in the short program at German Nationals in December.


Q: You had to take a break due to injury. What happened exactly? How long were you off the ice and since when have you been training again?


A: We were working on new entrances into the spin because of the new levels. During that I slipped and fell on my shoulder. I dislocated the shoulder and while it dislocated the humerus broke a piece out of the socket in the shoulder joint. This piece was about half a square centimeter in size and had to be fixed by arthroscopic surgery. I now have a biomedical screw in my shoulder that will disintegrate later. I spent three days in hospital and then I had to take a break from skating for seven to eight weeks. I spent the whole time in rehab. It took very long, because my shoulder was limited to a certain degree of movement. For a long time I was unable to do outer rotations and I was not able to lift my arm above my shoulder. So I lost a lot of mobility and strength. Therefore it took until three to four weeks before German Nationals before I was able to train as I am used to. As a result the training effect was not very distinct.

Q: How are you feeling now?

A: I still have deficits in the final range of movement mostly above the head and in the outer rotation of the shoulder. I do not have a 100 percent mobility yet. I also have two or three moves in my choreography that I am leaving out on purpose, because I know that the arm is in a position that might hurt. I am also lacking the speed and strength in my arm which affects the fragile balance in the jumps. Therefore I am still significantly lagging behind in training.


Q: How did you approach Nationals?


A: Well, I approached it with the feeling that I want to do a practice competition, although it is maybe a bit hard to say that German Nationals are a practice, especially since I was the defending champion. But I knew from the very beginning that I would not be at my best. I am very happy that the German Skating Union has named me to the team for Europeans. I wanted to use this competition for training to get competition practice. To compete is a different story than practicing. I really felt that. To skate the programs in competition is much harder than in training. Therefore we decided not to compete in the free, just in the short. Considering my current level of training I was very pleased with the short.

Q: What did you do during your break? Did you study?


A: I studied. I tried to attend more lectures than during the preparations for the Olympic Games. But I also did a lot of rehab. I had physiotherapy two to three hours per day and did rehab exercises for the shoulder as well as for the legs. The legs were still working. I tried to keep the deficit as limited as possible. The shoulder is a complex joint and needs more time for recovery than a knee or a foot. I noticed that and therefore everything took a bit longer.


Q: What can you tell us about your programs?

A: Actually we wanted to go to Toronto in September to build at least one new program with Lori (Nichol) and Shin (Amano). Due to the injury it was not possible to go. We had other problems and could not work on new programs. We are keeping last year’s program for this season. It’s going well, as I’ve skated these programs only for one year. They have not been skated too much. However, we are planning now to get two new programs for next year so we can continue with fresh programs.

Q: How did you motivate yourself following the Olympic season?


A: Basically with the Olympic Games themselves. The event Olympic Games was so overwhelming for me, not just the competition that went very well for me, but everything around it was such a great experience that I said “I want to experience the Olympic Games one more time!” Therefore I quickly was motivated to start working towards Korea 2018. I remember that Stefan Lindemann told me the same thing following Turin in 2006. He said it was so great and he wants to experience it one more time. And he made it to Vancouver. My motivation is just to be there again and I think more is still possible for me. I have worked my way up and I don’t think I’ve reached my limit yet, but that I can do more. So I think it makes sense for me to put in another for years as long as my body holds up.


Q: What are your goals this season?

A: I definitely want to secure two spots again with Franz (Streubel) at Europeans so that we can send two men in 2016.This, and I want to give a good performance after my injury. I want to get back into the rhythm and I don’t want to stay close to the top. I did establish myself among the top skaters in Europe and I want to stay there, obviously. I do not want to be pushed aside too much by the young skaters that are coming up.


Q: I wish you the best of luck and thank you very much.