Interview Peter Liebers
Oberstdorf, Februar 2013


Q: Seit der EM sind knapp zwei Wochen vergangen. Wie analysierst du diesen Wettbewerb mit etwas Abstand?


A: Zwiespältig, ganz klar. Das Kurzprogramm war einfach vergeigt, kann man so sagen. Pech gehabt, dass die zwei Elemente verhauen waren. Allerdings muss man auch sagen, dass mir das dann die entsprechende Motivation bzw. die Angriffslust Richtung Kür gegeben hat und diese dann so gut war. Ich persönlich bin nicht 100 % zufrieden, auch wenn alle anderen, so glaube ich, zufrieden sind, weil die Platzierung am Ende gestimmt hat. Ich selbst bin nicht zufrieden, weil mehr drin gewesen wäre, vor allem was meine persönliche Leistung betrifft. Ob es nun zwei Plätze mehr gewesen wären oder nicht ist eine ganz andere Frage. Aber es wäre auf jeden Fall ein besseres Kurzprogramm drin gewesen und damit für mich persönlich ein besserer Gesamteindruck.


Q: Woran wirst du besonders mit Lori Nichol arbeiten? Was für Feedback gibt sie dir?


A: Wir werden vor allem am Kurzprogramm arbeiten, denn das ist von ihr. Die Kür werden wir weitestgehend unberührt lassen. Wir werden am Schritt nochmals arbeiten. Wir haben über die Zeit, über mehrere Wettbewerbe Level 4 nicht hinbekommen und wir müssen gucken woran das liegt, dass es dort keinen Level 4, sondern nur Level 3 gibt. Das wird eine große Aufgabe sein. Und dann kleine Feinheiten. Im Lauf des täglichen Trainings schleichen sich ein paar Gewohnheiten rein, und das Programm ist nicht mehr ganz wie es ursprünglich geplant war. Ein paar Bewegungen, die nicht mehr ganz so stimmen, müssen wir wieder aufbessern, ein bisschen polieren. Ich denke, da wird schon einiges zu tun sein. Trotzdem wird sie mit dem bisherigen Feedback ganz zufrieden sein. Ich glaube, dass das Kurzprogramm ganz gut angekommen ist und dass ich es so, wie wir es ursprünglich gedacht hatten, auch rüberbringen kann. Klar kann man sich immer verbessern, dennoch denke ich, dass es ein positives Feedback von ihr geben wird über die bisherige Arbeit.


Q: Woraus besteht die WM-Vorbereitung außerdem?


A: Wir werden die Programme weiterhin stabilisieren. Dass weiterhin alles so kommt wie es bisher war. Vor allem die Kür hat sich sehr gut stabilisiert in dieser Saison und insofern wollen wir das natürlich auch in die WM mit hineinnehmen. Wir werden eventuell noch einmal zurückgehen auf die sichere 3-3-Kombi, um zwei saubere Programme abzuliefern, weil das glaube ich sehr wichtig sein wird für die Weltmeisterschaft. Insofern werden wir dort wieder die Möglichkeit mit der 3-3-Kombi in Betracht ziehen und die auch üben, je nachdem wie der Vierfache läuft, an dem wir auch weiterhin intensiv arbeiten werden. So dass wir dann auf jeden Fall die spontane Option haben wie bei der EM zu sagen "ok, wir probieren ihn, er ist gut genug" oder wir gehen auf die sichere Variante zurück. So dass wir auf jeden Fall auf zwei Schienen fahren können und je nachdem wie es läuft spontan entscheiden können, so oder so gehen wir an den Wettbewerb ran.


Q: Der Herren-Eiskunstlauf hat einen Sprung nach vorn gemacht - jetzt springen so viele einen oder gar mehrere Vierfache wie wohl noch nie. Wie siehst du diese Entwicklung und wie willst du den Anschluß finden?


A: Ich finde diese Entwicklung sehr gut, denn Vierfachsprünge gehören einfach mit dazu. Es ist eine gewisse Art der Weiterentwicklung, die der Sport einfach macht. Wen man sich anguckt was vor 30-40 Jahren gemacht wurde, dann muss es einfach ein Ziel sein jetzt eben weiterzugehen. Insofern ist diese Entwicklung sehr gut und von der ISU war es auch richtig, die Punkte für die Vierfachen zu ändern, damit man den Sportlern den Anreiz gibt, dieses Risiko auch wirklich einzugehen und sich darauf zu konzentrieren. Das finde ich sehr gut. Wie gesagt müssen wir weiter am vierfachen Toeloop arbeiten und dann auch den vierfachen Salchow in Angriff nehmen, so dass man dann eventuell einen zweiten Vierfachen präsentieren kann. Das Ziel für die Olympischen Spiele muss sein, in beiden Programmen mindestens einen Vierfachen zu zeigen. Im Kurzprogramm und in der Kür jeweils einen vierfachen Toeloop mindestens. Da wird die Entwicklung hingehen und daran arbeiten wir intensiv.


Q: Worauf freust du dich am meisten bei der WM?


A: Ich freue mich generell auf Kanada. Wir werden schon eine Woche früher hinfahren in die Nähe von Toronto und wo ich sonst auch immer war, in den Cricket Club und nach Richmond Hill, wo gute Läufer sind. Wir werden dort trainieren und uns dort noch intensiver vorbereiten und natürlich die kleinere Bahn schon mal nutzen. Darauf müssen wir uns ja auch einstellen. Die Vorbereitung wird sehr, sehr schön werden, denn ich kann die Atmosphäre zwischen Yuzuru Hanyu und Javier Fernandez nutzen um mich damit anzuspornen. Es ist ein großes Plus, das ich da mitnehmen kann, zu sehen wie sie trainieren und sich vorbereiten und mich da mit hochziehen. Ich denke, dass Kanada ein gutes Pflaster ist für eine schöne WM. Es werden sehr viele Leute kommen, sehr viele Eislaufbegeisterte und es wird eine tolle Stimmung sein. Und insofern wird das, glaube ich, schon eine gewisse Herausforderung sowieso. Es wird eine schöne Atmosphäre dort werden.


Q: Was ist dein Podium-Tipp für die WM für die Herren?


A: Sehr schwer zu sagen. Wir haben es bei den 4CC gesehen, dass sich noch einmal komplett alles ändern kann. Ich glaube, da hat vorher niemand gedacht, dass Daisuke Takahashi auf Platz 8 landen und Kevin Reynolds gewinnen wird. Es ist alles möglich, es kommt auf die Tagesform an. Persönlich würde ich mich über einen Podiumsplatz von Javier Fernandez freuen weil er mir sehr gut gefällt. Ich würde mich auch über einen Podiumsplatz von Patrick Chan freuen. Er ist ein sehr angenehmer Mensch und ich gönne ihm, dass seine harte Arbeit weiterhin belohnt wird. Und mein Tipp für das Podium, ungeachtet der Reihenfolge, ist auch noch Yuzuru.


Q: Wie sieht deine weitere Planung aus? Was machst du jetzt anschließend?


A: Ich fahre direkt von Oberstdorf aus nach Wien und werde Lori Nichol in München absetzen. Dann laufe ich in Wien nochmal einen kleinen Wettbewerb zur Vorbereitung. Wir wollten ursprünglich in Den Haag laufen, aber das liegt uns jetzt doch nicht ganz so günstig und wir haben uns für Wien entschieden. Weil wir dann noch einmal zwei volle Wochen in Berlin haben, in denen wir uns intensiv vorbereiten können. Und dann eine Woche in Kanada, wo wir unter den unterschiedlichen Bedingungen trainieren können. Nach dem Wettbewerb machen wir noch ein intensives Programmtraining, um dann optimal vorbereitet zu sein auf die WM mit allem was dazugehört.


Q: Gibt es schon Ideen für die neue Saison?


A: Wir haben schon überlegt und wir haben Ideen, aber alles noch sehr grob und ungenau. Es gibt unterschiedliche Ideen betreffend neuem Kurzprogramm oder nicht. Ob wir in der Kür was Altes nochmals nehmen oder eine komplett neue Kür. Wir wissen es noch nicht genau. Ich werde hier mit Lori darüber sprechen, wie ihre Meinung dazu ist und ich werde Shin (Amano, Choreograph) fragen. Und wir werden auch dann schon die Woche in Kanada vor der WM nutzen um mal zu Lenore Kay zu fahren, die immer die Musiken für Lori und für Shin schneidet und die auch jetzt meine Musiken immer gemacht hat. Wir wollen mit ihr dann schon Musiken auszusuchen, um eventuell schon was Konkretes festzumachen, so dass wir dann vorbereitet sind für die neue Saison. Ich möchte nicht zu spät mit allem anfangen und möchte spätestens Ende Mai alles fertig haben mit Musiken und Programmen, damit sie stehen. So habe ich dann ab Juni Zeit, um alles intensiv zu üben, so dass die Programme für nächste Saison bombensicher sind und dass alles ausreichend geübt wurde und ausreichend im Körper drin ist. Daher werden wir schon frühzeitig mit allem beginnen.


Q: Wer sucht denn meistens die Kostüme aus?


A: Ich habe meine Schneiderin in Berlin, mit der wir zusammen überlegen werden. Und wenn wir das Programm choreographiert haben, hole ich mir bei Lori und Shin Anregungen. Sie werden natürlich mit einbezogen. Es sind dann später natürlich immer wieder ein paar Sachen, die noch geändert werden müssen, weil es vielleicht doch nicht ganz so hinhaut. In Berlin bin ich eigentlich ganz zufrieden damit.


Q: Wie gefällt dir, dass bald Gesang in den Programmen erlaubt sein wird?


A: Ich bin ehrlich gesagt nicht so ein Fan davon. Ich weiß nicht warum man das braucht. Es gibt genug schöne Musiken ohne Gesang, die man nutzen kann. Und ich glaube, es wird vor allem im Bereich Nachwuchs/Junioren viele Musiken geben, wo man einfach denkt, die sollte man nicht fürs Eislaufen verwenden. Ich weiß zwar nicht ob das passieren wird, aber ich glaube niemand möchte die normale Popmusik, die im Radio läuft, auf dem Eis hören und dazu ein Programm sehen. Ich weiß nicht, ob das eine gute Entwicklung ist.


Q: Vielen Dank für das Interview und viel Glück bei den kommenden Wettbewerben.                                                                   

 

Interview Peter Liebers
Oberstdorf, Februray 2013


Q: The Euros ended two weeks ago. How do you analyse this competition now after some time has passed?


A: With mixed feelings, that’s for sure. I’ve messed up the SP, so to say. Bad luck that I missed two elements. On the other hand, I must say, this gave me a certain motivation, even aggression, for the free skating and that’s why the free went so well. I’m personally not a 100% satisfied, even if all the others have been, because the ranking was OK in the end. I’m not satisfied because I think I could have done more if I had done my best. If I would have placed two spots higher or not is a different question. But nevertheless, it could have been a better SP and therefore a better overall impression.


Q: What will you work on especially with Lori Nichol? What kind of feedback do you get from her?


A: We will concentrate on the SP, because she did it. Most of the FS we won’t touch – but we will work on the steps again. Lately, in several events, we managed only to get level 3 instead of level 4. We have to find out why. This is certainly a big task. And not to forget some minor details. During training some habits slip in, and in the end, it is not the same as it had been planned originally. Some moves we have to correct a bit, to polish so to say. I think there will be something to work on. I think the SP was well received. I believe that I am able to bring across the SP in the same way as it was originally created. Of course, one can improve permanently, nevertheless I think it will be a positive feedback for the previous work.


Q: How are you preparing for Worlds in addition to that?


A: We will continue on stabilising the programs so that everything will work out as it did so far. Especially the FS was more consistent during this season and we want to take that to worlds. Maybe we will go back to the 3-3 combo in order to deliver two clean programs, because I think that is important for worlds. Therefore we will take into account the possibility of a 3-3, and practice it of course, depending on how the quad goes in practice. We’ll have to work on it intensively. So in any case we will have the option (as happened during the Euros) to say.“OK, we try, it's good enough“. If not, we can get back to the safe version. So we have in any case two options depending on the performance we have the choice how to approach the competition.


Q: Men’s skating made a great leap forward; nowadays more skaters than ever before do one or more quadruple jumps. How do you feel about this development, and how do you plan to catch up?


A: I appreciate this trend, because quadruple jumps are part of it. It’s a certain way of progression of this sport. If you look back 30 or 40 years ago, it must be the aim to take a step forward. In this respect this development is good. It was also right that the ISU changed the points for the quadruples, as an incentive to take this risk. I really appreciate that. As mentioned, we have to work on the quadruple toeloop, and in addition on the quadruple Salchow. Maybe I will be able to present a second quadruple jump then. The aim is, to show in both programs at least one quadruple jump at the Olympic Games. In the SP and in the FS one quadruple jump at least. That’s the future, and we are working intensively in this direction.


Q: What are you looking forward to most at the World’s?


A: I’m looking forward to Canada. We will be there a week earlier, near Toronto and wher I had been before, Cricket Club and Richmond Hill, where strong skaters are. We will train there, prepare intensively, and, of course, use the smaller rink. For that we have to be prepared, too. The preparation will be really, really nice, I will be able to benefit from the atmosphere around Yuzuru Hanyu and Javier Fernandez for motivation. It’s a great “plus” that I can benefit from watching them during the training and preparation. I think that Canada is a good place for a great World Championship. Many people will come, even more skating-fans and it will be a great atmosphere. Therefore I believe that this will be a challenge anyway, and a very nice atmosphere.


Q: What’s your tip for the World’s ranking of the men?


A: Difficult to say. As we have seen with the 4CC, everything can change completely. I think nobody thought before, that Daisuke Takahashi would end up in 7th place and Kevin Reynolds would win. Everything is possible, it depends on the form one is in. Personally, I would like to see Javier Fernandez on the podium, because I like his skating. I would be happy with a podium finish for Patrik Chan as well. He is a nice person, and I am pleased to see his effort being rewarded. And my tip for the podium, in any order, is also Yuzuru.


Q: What are your plans? What will you do afterwards?


A: I will drive directly from Oberstdorf to Vienna, with a stop in Munich, to drop off Lori Nichol. Then I will participate in a small competition in Vienna as preparation. Originally, we planned to skate in The Hague, but we’ve abandoned that and decided to skate in Vienna. As a result, we have two full weeks in Berlin for preparation. And another week in Canada, where we will be able to train under different conditions. After the competition (in Vienna) we have planned an intensive program training, in order to be perfectly prepared for Worlds – the whole package.


Q: Do you have new ideas for the next season?


A: We have thought it over, and we have some basic, not very detailed ideas. There are various ideas if we do a new SP or not. Or, if to use some old parts for the FS or do a completely new FS. We don’t know yet. I will ask Lori for her opinion, and I will ask Shin. And we will take the opportunity to visit Lenore Kayin in Canada who cuts the figure skating music for Lori and Shin, and always prepared my skating music. We plan to select music, maybe we find something suitable, so that we are prepared for the season to come. I don’t want to start too late, so that by the end of may everything should be finished, including music and programs. Starting in June, I will have time to practise intensively, so that I get confidence in handling the programs for the next season. Therefore we will start very early.


Q: Who chooses your costumes?


A: The costume we choose together with the tailor in Berlin. First we will finish the choreography, then I will get some ideas from Lori and Shin. Of course, they are involved. Some details always have to be corrected later, because it doesn’t fit. In Berlin I’m quite satisfied.


Q: Do you like, that in future lyrics are allowed with the music of the programs?


A: To be honest, I’m not a fan of this idea. I don’t know why we need this. There are many nice music pieces without lyrics one can use. And I believe, that especially with the juniors there will be many pieces of music that shouldn’t be used for figure skating. I’m not sure if this will happen, but I think nobody would like to listen to pop music, being on the radio day for day, on the ice and watch a program to that. I don’t know if this is the right direction.


Q: Thanks for the interview and good luck for the competitions to come.