Interview mit Franz Streubel, September 2017 in Oberstdorf


Q: Du konntest verletzungsbedingt nicht am Sichtungslaufen in Berlin teilnehmen und auch der Start in die Saison mit der Nebelhorn-Trophy ist deshalb leider auch nicht möglich Was genau ist los, wie geht es dir jetzt?


A: Es ist ärgerlich mit dem Fuß. Es ist durch eine Übermüdung passiert beim Dreifach-Axel, den ich ja kann. Die Nebelhorn-Trophy war ohnehin nicht geplant, wir wollten wegen der internatialen Preisrichter und der allgemeinen Punktebewertung nach Montreal/Kanada. Hier bei der Nebelhorn Trophy wird ja um die Olympiastartplätze gelaufen. Ob ich jetzt erster oder elfter geworden wäre, das hätte uns nichts gebracht, vielleicht mir persönlich. Aber so mussten wir den Wettkampf jetzt verschieben durch die Verletzung. Erst dachten wir, es hält vier Wochen an, aber es dauert etwas länger. So ist jetzt Nizza als erster Wettkampf geplant.  Danach geht es in die Olympiaqualifikation nach Zagreb und Warschau, das sind meine Wettkämpfe und die Deutschen Meisterschaften. Dann wird alles zusammengerechnet entscheidend sein.


Q: Du kannst also mitkämpfen um den Olympiastartplatz?


A: Ja, bis zu meinem ersten Qualifikations-Startplatz habe ich noch Zeit. Für Nizza wird es ein bisschen knapp. Dort muss ich ja voll laufen und werde mal testen, wie ich durchkomme. Ich bin mal gespannt und hoffe, dass mein Fuß bis dahin in Ordnung ist.


Q: Wie hast du deine Motivation beibehalten? Was oder wer hat dir dabei geholfen?

A: Das ist eine gute Frage. Ich habe hier ein gutes Team mit Herrn Fajfr, der mir gut zuredet und  meine Familie. Ich fahre viel Fahrrad. Das ist schön durch die Berge. Es lenkt ein bisschen ab. Wenn ich jeden Tag nur Schritte laufen muss, werde ich irre, sonst würde ich ja auch Eistänzer werden. Mir fehlt das Springen. Es ist schon schwer sich zu motivieren wenn man nicht voll Gas geben kann. Aber es geht besser und ich bin gespannt wie es in den nächsten zwei Wochen läuft, ich hoffe, dass ich dann wieder alles machen kann. Ich kann im Moment nur dreichfach Salchow, dreifach Toeloop und zweifach Axel machen aus Sicherheitsgründen. Ich könnte auch dreifach probieren, aber es gibt ja die Möglichkeit, dass ich nicht gerade lande beim dreifachen Axel. Das kann ja passieren, überdreht oder nicht ganz rückwärts, was halt so kommt. Dann kann der Fuß wieder überbelastet werden und deshalb mache ich gerade sicheres Springen.


Q: Wirst du nach den Olympischen Spielen weitermachen?


A: Das ist so ein Gedanke, mit dem ich spiele: mache ich weiter oder mache ich nicht weiter. Das Niveau steigt ja ständig und man will ja vorne mitlaufen. Platz 20 bis 30 ist nicht mein Ziel. Gut, die ersten fünf Plätze... fünf Vierfache sind sehr schwer zu erlernen für mich. Zwei ja, aber fünf nicht. Man muss ja realistisch bleiben. Es kommt darauf an, wie die Saison läuft. Ich bin ja schon in einem Alter, in dem man darüber nachdenkt, was nach dem Eislaufen kommt. Wenn es überragend laufen würde, dann würde ich natürlich weiterlaufen. Mal schauen, wie weit ich komme. Wenn es nicht so gut läuft, würde ich mich beim Verband bedanken, mich verabschieden und meinen weiteren Weg gehen.


Q: Paarlaufen war nie eine Option?


A: Doch, als ich jung war. Da habe ich mal mit Jessica Füssinger angefangen als sie noch klein war. Aber sie hatte keine rechte Lust. Und wenn ein Partner keine Lust hat.... ich meine, ich habe das hobbymäßig gemacht aus Spaß und da hatte ich dann auch keine Lust. Ich brauchte es ja nicht. Es stimmt, dass so alles ein bisschen aussetzt, wenn wir alle aufhören. Ob Aljona Savchenko weiterlaufen wird, weiß ich nicht. Wenn Peter Liebers, Pau Fentz und ich aufhören... wir haben noch Kai Jagoda und Thomas Stoll und vielleicht haben wir sonst noch ein paar Talente, aber es ist schon traurig.


Q: Du bist jetzt wieder zurück in Oberstdorf?

A: Ja, als ich damals in Berlin trainiert habe, war dort tote Hose. Das kann man nicht anders beschreiben. Peter war wieder in Übersee und Paul war auch nicht da. Das hat so an meiner Motivation gezerrt , dass ich beschlossen habe, nach Oberstdorf zu gehen. Ich habe Herrn Fajfr gefragt, ob er das übernehmen würde und ob er mich trainiert. Er hat mir seine Unterstützung zugesagt und seitdem trainiere ich hier.


Q: Erzählst du uns was über deine Programme?

A: Meine Kür war letztes Jahr leider nur zur Deutschen gut. Das war verletzungsbedingt, damals war es das Knie wegen einem Mopedunfall. Das hatte mich etwas zurückgeworfen. In der Kür laufe ich zu Queen und habe das Programm ein bisschen verändert. Die Choreographie ist neu und wir haben einen langsamen Teil reingenommen, aber nicht zum Pusten. Ich mache jetzt meinen Schritt darauf, der ist bestimmt nicht zum Ausruhen. Ich habe das mit Herrn Dehne (Choreograph) besprochen. Der ist fertig, wenn er die Musik hört, Action, Action, es ist die ganze Zeit nur Action. So ist mal ein entspannter Teil, ein langsamer Teil,  Bohemian Rhapsody. Das Programm haben wir also behalten und ich habe ein neues Kurzprogramm aufgebaut mit Mark Pillay. Normalerweise fahre ich ja immer nach Detroit zu Pasquale Camerlengo. Aber Mark war halt da und es hat sich angeboten. Dabei ist jetzt ein Bluesprogramm rausgekommen. Das finde ich sehr gut und gefällt mir.


Q: Dankeschön für das Gespräch und alles Gute.