Interview mit Andrejs Vlascenko

 

Q: Warum bist du Trainer geworden?

 

A: Ich laufe seit meinem 6. Lebensjahr Eis und lange Zeit war ich auch immer international tätig. Es ist einfach so gelaufen, es gefällt mir.

Q: Wie war der Übergang vom Leistungssportler zum Trainer?

 

A: Schon ein bisschen schwierig. Es sind natürlich andere Aufgaben als Sportler und als Trainer. Aber ich glaube, ich habe es gut überstanden.

 

Q: Viele ehemalige Läufer sagen, an der Bande zu stehen sei noch viel nervenaufreibender als selbst zu laufen. Wie geht es dir?

A: Ja, genauso! Man kann sich nicht wirklich daran gewöhnen weil man dem Sportler, der gerade auf dem Eis ist, helfen will. Aber man kann es nicht. Ich glaube, das geht allen Trainern so.

 

Q: Was gefällt dir an deiner Arbeit als Trainer am besten und was am wenigsten?

A: Am besten gefällt mir natürlich die kreative Arbeit wie neue Programme zu gestalten und Änderungen vorzunehmen. Einfach die Kreativität, die wir im Eiskunstlaufen haben. Am schlimmsten sind vielleicht die Niederlagen, wenn die Leistungen stimmen und trotzdem ein schlechter Platz herauskommt. Das sind die schlechten Momente.

 

Q: Wie viele Schüler hast du zurzeit? In welchen Altersklassen und auf welchem Leistungsniveau?

A: Wir haben jetzt in München von Kindern bis zu den Junioren alle Stufen. Die genaue Anzahl kann ich jetzt nicht genau sagen. Es gibt viele Sportler, die gerade anfangen und die schon mehr oder weniger Leistung bringen im Nachwuchsbereich. Im Juniorenbereich sind es ein bisschen weniger. Aber insgesamt sind es schon viele Sportler.

 

Q: Wie sind die Trainingsbedingungen in München?

A: Ich würde es so sagen, dass man sich immer bessere Bedingungen wünscht. Aber ich denke, dass man froh sein muss mit dem, was man hat.


Q: Welche Perspektiven siehst du für Anton Kempf?

A: Anton ist ein ganz guter Sportler. Er hat auch heute (bei den Bavarian Open) wieder gezeigt, dass er kämpfen kann. Er kann sich zusammenreißen. Ab der nächsten Saison startet er in der Meisterklasse. Da haben wir noch viel Arbeit vor uns. Mal schauen. Leistung kommt von Arbeit.

 

Q: Wie entwickelt sich der Eiskunstlauf in Deutschland aus deiner Sicht?

A: Ich denke, dass es in verschiedenen Bereichen ein kleines Leistungsloch gab. Aber ich sehe jetzt viele talentierte junge Leute. Es ist auf jeden Fall besser geworden.

Q: Warum gibt es deiner Meinung nach so wenig deutsche Eisläufer auf internationalem Niveau? Was müsste getan werden, um das zu ändern?

 

A: Das ist eine sehr schwierige Frage. Es sind natürlich die Trainingsbedingungen und da sind verschiedene Förderungen, die beim Sport nötig sind. Es gibt vieles in der Organisation, was gemacht werden muss. Man kann diese Frage nicht kurz beantworten, weil sie sehr viele Bereiche umfasst.

Q: Wie siehst du die Entwicklung des internationalen Herreneiskunstlaufs? Welche Läufer gefallen dir am besten und warum?

A: In der Herrenkonkurrenz gab es einen großen Schritt nach vorne im technischen Bereich, aber auch im läuferischen Bereich. Mir persönlich gefällt Patrick Chan, gerade vom Laufen, vom Gleiten auf dem Eis. Natürlich gehört dazu auch die Technik wie Vierfach-Sprung und Dreifach-Axel. Heutzutage geht es nicht ohne. Bereits im Juniorenbereich muss man schon vierfach und Dreifach-Axel springen, wenn man vorne sein will. Mir gefällt, dass durch diese technischen Verbesserungen die Kreativität und das Laufen nicht irgendwie hintenan gestellt werden. Es gehört zusammen.


Q: Ist dein Sohn Alexander auch Eiskunstläufer?

A: Ja, er läuft bei den Sternschnuppen jetzt und er nimmt an seinen ersten Bayerischen Jugend-Meisterschaften teil.

 

Q: Wie intensiv glaubt er an eine leistungssportliche Karriere?


A: Es muss ihm Spaß machen. Wenn er morgen sagt, dass er lieber Tennis spielt, dann wird er Tennis spielen.


Q: Dankeschön für das Interview.